Zehn Ausbilder und Trainer des TSV-Frankfurt trafen sich am Wochenende des 19./20. September
am Tauchersee Hunsfels zu ihrem jährlichen Trainer-Event. In diesem Jahr stand die
Veranstaltung ganz im Zeichen des VDST-Seminars „Tiefer Tauchen“ und verband Weiterbildung,
praktische Erfahrungen und Teambuilding miteinander.
Die Idee, das Seminar gezielt als Fortbildung für den eigenen Ausbilderstab durchzuführen, fand
beim HTSV-Ausbildungsleiter Markus Trommer sofort Zustimmung. Er unterstützte das Vorhaben
von Beginn an und erklärte sich bereit, das eintägige Seminar für den TSV-Frankfurt auszurichten.
Unterstützt wurde er dabei von Lisa, die ebenfalls zum Gelingen der Veranstaltung beitrug.
Im theoretischen Teil standen die neuesten Erkenntnisse zur Dekompression im Sporttauchen im
Mittelpunkt. Erläutert wurden unter anderem die Bedeutung der sogenannten „Dekostufe Null“
sowie aktuelle Erkenntnisse zur Entwicklung der Blasenlast rund 20 Minuten nach dem
Auftauchen. Die Teilnehmer erhielten dabei interessante Einblicke in aktuelle
Forschungsergebnisse und deren praktische Bedeutung für die sichere Planung und
Durchführung von Tauchgängen.
Anschließend ging es ins Wasser. Der erste Tauchgang wurde aufgrund der Topografie des Sees
bewusst als Dekotauchgang geplant und führte die Gruppe bis auf 46 Meter Tiefe. Dabei stand
das bewusste Erleben des Tieftauchens im Kaltwasser im Vordergrund.
Besonders eindrucksvoll wurde die Beeinflussung der kognitiven Fähigkeiten durch Stickstoff in
der Tiefe demonstriert. Im Rahmen eines Geschicklichkeitstests mussten die Teilnehmer auf 46
Metern Tiefe eine Schraube mit der passenden Mutter verschrauben. Zudem wurden zwei
Teilnehmer für das Setzen einer Boje an der 18-Meter-Stufe ausgewählt. Währenddessen blieb
die Gruppe aufmerksam zusammen und orientierte sich an dem Teilnehmer mit der längsten
Dekompressionsverpflichtung. Nach Abschluss aller Dekostopps erfolgte der gemeinsame
Aufstieg, wobei die letzten fünf Meter mit einer Aufstiegsgeschwindigkeit von nur einem Meter
pro Minute zurückgelegt wurden.
Nach dem Tauchgang wurde das Ergebnis des „Schraubwerks“ mit einem Schmunzeln
begutachtet. Dabei stellte sich die durchaus berechtigte Frage: „Wie lang sind eigentlich zwei
Zentimeter Einschraubtiefe auf 46 Metern?“ Die Ergebnisse zeigten eindrucksvoll, wie sich
steigender Stickstoffpartialdruck auf Konzentration, Feinmotorik und Wahrnehmung auswirken
kann.
Nach einer ausgedehnten Oberflächenpause wurden die Erkenntnisse des ersten Tauchgangs
gemeinsam ausgewertet und der zweite Tauchgang geplant. Für diesen Tauchgang erhielt jeder
Teilnehmer auf einer Schreibtafel eine individuelle Aufgabe, die auf etwa 35 Metern Tiefe
eigenständig gelöst werden musste. Dabei waren Konzentration, Orientierung und die sichere
Umsetzung der Tauchgangsplanung gefragt. Nach erfolgreicher Bearbeitung der Aufgaben
formierte sich die Gruppe wieder unter Wasser und tauchte als geordnete 11er-Gruppe
gemeinsam auf. Die Erfahrungen und Beobachtungen wurden anschließend im Team besprochen
und ausgewertet.
Neben den fachlichen Inhalten bot das Seminar zahlreiche Gelegenheiten für intensive
Gespräche, gemeinsame Erfahrungen und den Austausch unterschiedlicher Sichtweisen auf die
Tauchausbildung. Damit wurde das Seminar seinem Charakter als Ausbilderfortbildung und
Teambuilding-Maßnahme gleichermaßen gerecht.
Brauche ich als Taucher überhaupt ein Seminar „Tiefer Tauchen“, wenn ich bereits mit dem
CMAS-Brevet bis 40 Meter tauchen darf und der VDST-Empfehlung „40 Meter sind genug“ folge?
Die Teilnehmer kamen zu einer klaren Antwort: Ja.
Nicht, um „Tiefenjäger“ auszubilden oder Grenzen immer weiter hinauszuschieben. Vielmehr geht
es darum, die besonderen Anforderungen des Tieftauchens im Rahmen eines strukturierten
Seminars bewusst selbst zu erleben und zu reflektieren. Das Seminar zeigte eindrucksvoll, dass
Tieftauchen nicht nur eine Frage der zulässigen Tiefe ist, sondern vor allem des Verständnisses
der damit verbundenen Herausforderungen und Risiken.
Das persönliche Fazit eines Teilnehmers brachte die Erkenntnisse des Wochenendes treffend auf
den Punkt:
„Man geht nicht dümmer aus dem Wasser, als man hineingegangen ist.“
QR-Code:
Tauchen lernen in Frankfurt mit dem Tauch- und Schwimmverein Frankfurt
Text und Bilder:
Stefan Krautschneider, Tauchlehrer**, Tauch- und Schwimmverein Frankfurt e. V.